| MEINE JAZZKISTE |
02.01.10 09:09 |
1. Montag im Monat / 20:00
Wh: Mittwoch 22:00
Eine Sendung vom Wiener Historiker, Jazzexperten, Plattensammler und DJ Helmut Weihsmann mit feiner Jazzmusik aus seiner umfangreichen Vinylplattensammlung.
S E N D U N G S G E S T A L T U N G
Helmut Weihsmann ist schon seit mehreren Jahren mit seinen exklusiven Architekturfilm-Highlights zu Gast in der Local-Bühne Freistadt. Bei seinem letzten Besuch in Freistadt ist die Idee entstanden sein umfangreiches Wissen im Bereich des Jazz auch in Radiosendungen zu packen und der Öffentlichkeit zur Verfügung zu stellen.
Technik und Produktion:
Die Sendungen 1-8 wurden von David Pasek produziert.
Ab Ausgabe 9 ist Gernot Friedbacher für Technik und Produktion verantwortlich.
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Helmut Weihsmann
Photo by: © Frank Hanswijk, Rotterdam
A K T U E L L
JAZZKISTE #21
September 2010
Some of My Favorite Things
Zu meinen Lieblingsstücken des Modern Jazz gehören selbstverständlich so Klassiker von Miles Davis, Sonny Rollins, John Coltrane, Thelonious Monk, Charles Mingus und Bud Powell, die über viele Jahre hinweg zu meinen persönlichen Favoriten gehören. Greift man nun die eine oder andere Spitzenleistung heraus, oder fragt man sich nach den gelungensten Aufnahmen dieser Giganten, so kann man diese Frage gar nicht so leicht und eindeutig beantworten, denn alles hängt vom jeweiligen (Zeit-)Geschmack, musikalischen Mut und der persönlichen Neugierde ab. So unsinnig wäre es einen lebenden Schriftsteller nach seinen besten und wertvollsten Romanauszügen zu fragen, um sich dann nur mit diesen exklusiv zu beschäftigen und alles andere zu vernachlässigen oder gar herunterzustufen. Mit dieser freilich subjektiven und ambivalenten Auswahl einiger meiner bevorzugten Schallplatteneinspielungen meiner Sammlung möchte ich jedoch dem Hörer ein paar schöne Überraschungen und Sternstunden der Jazzmusik präsentieren und möglichst nah ans Herz bringen. Es gibt auf meiner Short-List keine wirkliche hierarchische oder stilistische Rangordnung, sondern eben nur solche Aufnahmen, die den seltenen Zug des Genialen besitzen. Welche der Aufnahmen sie bevorzugen, hängt schließlich vom persönlichen Geschmack ab, aber ich hoffe, in den folgenden Musikbeispielen hierzu einige Anhaltspunkte geben zu können, wieso ich gerade diese ausgewählt habe für diese Sendung.
Musikbeispiele:
Cannonball Adderley Quintet: Work Song (Nat Adderley) rec. 1960; Cannonball Adderley Quintet: Jeannine (Duke Pearson) rec. 1960; Sonny Rollins Quartet: East Broadway Run Down (Sonny Rollins) rec. 1966; Archie Shepp: Mama Too Tight (Archie Shepp) rec. 1966; John Coltrane Quartet: My Favorite Things (Rodgers/Hammerstein) rec. 1960
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V O R S C H A U
JAZZKISTE #22
Oktober 2010
Blues in Modern Elegance – Die eleganten “Crooner“ des Jazz
Der Blues ist eine sehr persönliche, sehr ursprüngliche und sehr authentische Musik, die soziale und gesellschaftskritische Funktion bekommt je nach Interpretation. Und da der Blues menschliche Anteilnahme vom Sänger, vom Musiker und vom Zuhörer erfordert, kann es wohl kein objektives und einheitliches Bild geben. Ich betrachte den Bluesstil im Jazz als musikalische Weiterentwicklung vom Ursprung seiner Entstehung, den Baumwollfeldern des Südens einerseits und den Baptistenkirchen oder Gefängnissen in den Städten des Nordens andererseits. Blues ist für mich stets auch ein unverändert aktueller Zeitkommentar, als Aufschrei gegen Armut, Ausbeutung und Ungerechtigkeit im Leben einer unterpriviligierten Klasse und Rasse. Meine Sicht ist weder durchs Schlüsselloch noch vom hohen Sockel, sondern zeigt musikalische und inhaltliche Zusammenhänge auf. Der heutige Blues in seinen modernen Mischformen zwischen Gospel, Folk, Jazz, Rock, Reggae und Hip Hop ist ganz einfach zu lebendig, um ihn genau sezieren zu können. Im Mittelpunkt dieser Sendung stehen deshalb die Sänger/Innen, die zwischen den Schubfächern bzw. über die Kategorien stehen. Fast jeden Blues, den ich singe, habe ich in einer Art am Leib gespürt und erlebt. Diese Aussage von Jimmy Witherspoon liefert den Schlüssel für das Verständnis des Blues als Bestandteil einer ethnischen Subkultur und Rassendiskriminierung. Ihren eigenen Gesangsstil hatten die besten Bluessänger/Innen aus Kansas City hervorgebracht. Neben dem legendären Big Joe Turner, der zusammen mit dem Boogie-Klavierspieler Pete Johnson ein erfolgreiches Tandem bildete, ist hier vor allem Jimmy Rushing (wegen seiner Leibesfülle scherzhafterweise Mr. 2 x 5 genannt) zu nennen, der mit dem Orchester von Count Basie frühe Berühmtheit in der Swing-Ära erlangen sollte und von vielen Kennern der Materie noch immer als der beste Vertreter des städtischen Blues betrachtet wird. Aus den ländlichen Regionen des Mississippi Deltas kam im Zuge dessen auch eine zweite Welle Sänger nach Chicago, Detroit und Los Angeles, die stilbildend waren für den Rhythm & Blues und Soul, so auch Ray Charles und James Brown. Neben diesen verdienen weitere male crooners erwähnt zu werden, die ebenso aus dem Südwesten der USA stammen: Joe Williams, Jimmy Witherspoon und Clarence (Big) Miller. Ihr Gesang war im Gegensatz zu dem der klassischen Blues- und Folksänger aus dem ländlichen Süden nicht tiefsinnig und bedrückt. Er war vielmehr durch den “Holler“ bzw. “Shout“, den “Schrei“, gekennzeichnet, durch den wuchtigen Predigerton, der typisch für bestimmte religiöse Spirituals und Gospels, die Sermons und die Jubilees, ist. Und ihre Lieder waren häufig fröhlich und elegant. Der vitale Blues-Shouter Jimmy Witherspoon, der sich fast ausschließlich von Jazzbands begleiten läßt, steht in einer Linie mit Jimmy Rushing. Der ebenfalls von Kansas City beeinflußte Joe Williams führte als Nachfolger des letzteren in der Band von Count Basie die Bluestradition im Swing-Jazz fort. Joe Williams ist nicht nur ein hervorragender “Shouter“, sondern auch ein Balladen-Sänger erster Güte. Der technisch brilliante Jazzsänger Mel Tormé ist eine Ausnahmeerscheinung, allein schon weil er ein weißer Vokalist ist und mehr scat-orientiert ist als zum Bluesinterpreten. Tormé intoniert mit seiner klangvollen, jedoch leicht angerauhten, warmen und weichen Stimme absolut sicher und mit faszinierendem rhythmischem Schwung und enormen Swing-Feeling.
Musikbeispiele:
Jimmy Rushing: Did You Ever (Jimmy Rushing) rec. 1963 Al Cohn (arr.); Jimmy Rushing: Undecided Blues (Jimmy Rushing) rec. 1969 Oliver Nelson (arr.); Joe Turner: How Long, How Long Blues (Leroy Carr) rec. 1969; Clarence (Big) Miller: I Know (Clarence Horatio Miller) rec. 1959; Clarence (Big) Miller: It’s A Hard Life (Clarence Horatio Miller) rec. 1959; Clarence (Big) Miller: Lament To Love (Clarence Horiato Miller) rec. 1959; Jimmy Witherspoon: Goin’ To Chicago Blues (Basie/Rushing) rec. 1964; Jimmy Witherspoon: Gee Baby, Ain’t I Good To You (Redman/Razaf) rec. 1964; Joe Williams: Goin’ To Chicago (Basie/Rushing) rec. 1958; Joe Williams: Gee Baby, Ain’t I Good To You (Redman/Razaf) rec. 1958; Joe Williams: Everyday I Have The Blues (W. York) rec. 1958; Joe Williams: Jump for Joy (Ellington/Webster/Kuller) rec. 1963 Jimmy Jones (arr.); Mel Tormé: It’s Only A Papermoon (Rose/Harburg/Arlen) rec. 1957; Mel Tormé: Autumn Leaves (Kosma/Mercer) rec. 1957; Mel Tormé: Until The Clouds Roll By (Wodehouse/Kern) rec. 1955; Mel Tormé: It’s A Blue World (Wright/Forrest) rec. 1955
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R Ü C K B L I C K
Informationen zu allen bisher erschienenen Sendungen finden Sie unter: http://sendungsarchiv.o94.at/showSeries.php/094se117
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